Fotobrief vom 20. März 2020 – Ringsonnenfinsternis

Hallo Ihr Lieben,
heute hatte ich eine Gedankenkette, deshalb ist der Text auch etwas länger als sonst. Angesicht der vermutlich bevorstehenden Ausgangssperren musste ich an Frau Yang denken. Frau Yang war 2009 für drei Wochen unsere Reiseleiterin während unserer Sonnenfinsternis-Reise nach China. Während die chinesischen Touristengruppen immer brav in Zweierreihe hinter ihren Reiseführern herliefen, war das bei den europäischen Touristengruppen nicht durchzusetzen. Frau Yang meinte immer, mit den Deutschen sei es am schwersten: "Die sind wie freilaufende Hühner!!!" Den Satz habe ich nie vergessen und wahrscheinlich ist er mir heute nicht ganz zufällig eingefallen.

Über die Erinnerung an die freilaufenden Hühner dachte ich an China und den eigentlichen Anlass der Reise: Die totale Sonnenfinsternis vom 22.7.2009 in der Nähe von Shanghai. Die Beobachtung fiel leider buchstäblich ins Wasser. Es regnete ohne Unterlass und nachdem es (durch die Verdunkelung der Sonne) merklich kühler geworden war, regnete es sintflutartig. Die Wolken konnten das Wasser einfach nicht mehr halten. Dann wurde es "zur vereinbarten Zeit" im strömenden Regen stockdunkel und nach fünf Minuten (eher lang für eine Totalität, maximal sind wohl sechs/sieben Minuten möglich) wieder hell - das war's! Chinesische Hotelangestellte fuhren währenddessen völlig unbeeindruckt mit ihren Elektrokarren Koffer über's Hotelgelände, sie hatten nur mal kurz das Licht an ihren Fahrzeugen angemacht.

In den letzten zwanzig Jahren konnte ich die Korona, die ich Euch vorgestern zeigte, nur bei jeder zweiten der aufgesuchten totalen Sofis sehen und fotografieren. Süddeutschland 1999: Regen. Türkei 2006: Treffer! (Fotos noch analog, also nur auf Film). China 2009: Regen. USA 2017: Treffer! (Fotos digital, aber - wie ich schon schrieb - vergessen, den Sonnenschutzfilter vom Objektiv zu nehmen). Trotz (oder wegen?) dieser mageren Ausbeute von zwei totalen Ereignissen in meinem Leben bin ich süchtig nach diesem fantastischen Himmelsphänomen.

Zum Trost gab es zwischendurch 2012 im Westen der USA eine sogenannte "Rifi", eine Ringsonnenfinsternis. Wenn aufgrund der elliptischen Umlaufbahnen der Erde um die Sonne und der des Mondes um die Erde der scheinbare Durchmesser der Sonne den des Mondes übertrifft (d. h. wenn die "Mondscheibe" kleiner ist, als die dahinterliegende "Sonnenscheibe") bleibt der äußere Rand der Sonne bei einer Finsternis sichtbar, dies wird deshalb ringförmige, annulare oder Feuerkranz-Sonnenfinsternis genannt. Während der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 20.05.2012 stand bei unbedecktem Himmel die Sonne gegen Finsternisende nur noch knapp über dem Horizont. Hier seht Ihr meine Collage von diesem wunderbaren Ereignis mit Sonnenuntergang. Ich weiß nicht, ob Ihr bei der kleinen Auflösung bei noch unbedeckter Sonne die vorhandenen Sonnenflecken (mehrere, wie eine Kette zwischen 12 und 5 Uhr) sehen könnt?

Ringsonnenfinsternis, 20.5.2012, Composing bis Sonnenuntergang

Und so sah ich dabei aus - der extra gekaufte Stuhl war Luxus pur! Es war ziemlich heiß und staubig in der Steppe.


Liebe Grüße
Catharina

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