Fotobrief vom 22. April 2020 – Eyjafjallajökull

Genau vor zehn Jahren gab es schon einmal eine Situation mit eingeschränktem Flugverkehr, allerdings nicht mit weltweiten und so weit reichenden Folgen wie in der Gegenwart. Verursacher der damaligen Einschränkungen war der isländische Vulkan Eyjafjallajökull – aussprechen dürft Ihr den Namen selbst. Corona spricht sich jedenfalls einfacher ...

In der Nacht vom 13. auf den 14. April 2010 wurde auf Island ein Erdbeben der Stärke 2,5 im südlichen Eyjafjallajökull gemessen. Am Morgen des 14. April 2010 brach direkt in der Caldera des Vulkans eine etwa zwei Kilometer lange Spalte auf. Aus fünf Kratern traten große Mengen Lava aus. Über dem Gletscher stiegen mehrere tausend Meter hohe Dampf- und Aschewolken auf. In Europa wurde ab dem 15. April 2010 der Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas für mehrere Tage ganz oder teilweise eingestellt. Die Gefahr für den Flugverkehr ging dabei nicht nur von der Erblindung der Cockpitscheiben, sondern vor allem von der Beeinträchtigung der Düsentriebwerke und anderer Flugzeugteile durch Aschepartikel aus.

Ab dem 18. April produzierte der Vulkan weiterhin regelmäßig Asche, aber in deutlich geringerer Menge. Die Eruptionssäule verschwand immer wieder aus dem Radarbereich, was bedeutet, dass sie niedriger als 3000 m war. Ab 1. Mai 2010 nahm die Aktivität wieder zu, die Eruptionssäule erreichte abermals bis zu 5,5 km Höhe und wurde durch den sich drehenden Wind in Richtung Südosten getrieben. Die Aschewolke reichte am 4. Mai bis in 6.000 m.

Wir flogen am 8. Mai 2010 von Berlin nach New York. Das war eine denkwürdige Reise in mehrfacher Hinsicht. Zunächst war es unsere erste und bisher einzige Reise nach New York. Außerdem hatten wir Tickets für den Hinflug ab Berlin-Tegel, der Rückflug zehn Tage später sollte auf dem (damals) neuen Airport Berlin-BER landen. Dieser Airport ist zehn Jahre später noch immer nicht in Betrieb, wie wir wissen - wer hätte das gedacht? (Ich nehme übrigens Wetten entgegen, wann wohl das Berliner Corona-Krankenhaus auf dem Messegelände seine Arbeit aufnehmen wird).

Zurück zum Flug nach New York. Nördlich von Schottland drehte unsere Maschine plötzlich um, Ihr seht es an der kleinen gelben Schleife, auf die der rote Pfeil meines Fotos zeigt:

Später meldete sich der Pilot, wir müssten eine andere Route fliegen, da der Wind gedreht habe und die Aschewolke des isländischen Vulkans unsere geplante Route quere. Dies wiederum führte zu dem unglaublichen Vorfall, dass wir direkt über Island nördlich des aktiven Vulkans (der sich ganz im Süden Islands befindet) flogen und er zum Greifen nahe war.

Das war schon spektakulär und blieb unvergessen! Eine amerikanische Dame, die den Fensterplatz neben uns hatte, bekam meine Fotoleidenschaft mit und überließ mir kurzerhand den Fensterplatz. Das war ausgesprochen nett und ich habe mich natürlich später mit einigen Fotodateien bei ihr dafür bedankt.

Dank dieser netten Dame kann ich Euch nun zehn Jahre später und aus aktuellem Anlass einige Fotos vom Eyjafjallajökull zeigen:

Auf dem letzten Bild ist im Vordergrund der schneebedeckte Hofsjökull zu sehen, der drittgrößte Gletscher Islands.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben