Fotobrief vom 17. April 2020 – Bornholm mit Milchstraße

Mein letzter Fotobrief nahm Euch mit nach Florenz. Heute geht es nach Norden. Aus Erde wird Himmel und aus Tag wird Nacht. Inspiriert hat mich meine jüngste Cousine Luise, die mir vor einigen Tagen schrieb, dass sie mit ihrer Familie nun leider nicht nach Bornholm reisen kann. Unseren zweiwöchigen Aufenthalt auf Bornholm habe ich in bester Erinnerung. Dort habe ich während dieses Super-Sommers vor zwei Jahren viele Nachtstunden an einem traumhaften Sandstrand im Süden der Insel verbracht (Dueodde), um Zeitraffer-Aufnahmen vom Sternenhimmel zu machen. Es war warm wie in einer lauen Sommernacht am Mittelmeer. Sozusagen als „Nebenprodukt“ entstanden auch einige Panoramen. Heute zeige ich eines davon im üblichen Querformat und eines im Hochformat, so lässt sich der Verlauf der Milchstraße besser verfolgen.

Apropos Milchstraße – wer von Euch hat sie wann und wo zuletzt gesehen? (Nutzt zur Antwort gern die Kommentarfunktion auf meiner Website). Es ist heutzutage nicht so einfach, ausreichend dunkle Orte für eine Betrachtung unserer Galaxie zu finden. Die International Dark-Sky Association (IDA) hat weltweit weniger als 40 Regionen aufgelistet, in denen künstliches Licht reduziert und der dunkle Nachthimmel geschützt wird. In Deutschland gibt es seit 2014 drei solcher Sternenparks: Westhavelland, Nationalpark Eifel und Biosphärenreservat Rhön. Brandenburgs Naturpark Westhavelland (nur 70 Kilometer westlich von Berlin!) wurde von der IDA zum ersten Sternenpark Deutschlands ernannt. Die dünn besiedelte Gegend am „Dreiländereck“ zwischen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den dunkelsten Orten in Deutschland. Ich habe dort im März 2018 einen meiner ersten Timelapse-Filme produziert, das (bislang unvertonte) Video findet Ihr bei Interesse hier auf meiner Website:

https://www.catharinalux.de/milchstrassen-zeitraffer-im-sternenpark-westhavelland-17-18-maerz-2018/

Wenn ich diesen Zwei-Minuten-Film heute sehe, denke ich, dass ich unbedingt und sofort dorthin muss, um eine Wiederholung ohne Flugzeuge zu machen!

Nun noch kurz etwas Theorie: Eine geläufige Einteilung der Helligkeitsgrade des Nachthimmels bietet die Bortle-Skala. Sie ist in neun Klassen eingeteilt und man kann sie ohne optische Hilfsmittel oder Messgeräte anwenden. Die Einteilung erfolgt nach den Sternen, Planeten und/oder Himmelsphänomenen, die mit bloßem Auge noch erkennbar sind. Ich habe eine Fotografen-App, in die Karten mit Bortle-Skala integriert sind. Ich benutze sie, um bei geplanter Nachtfotografie möglichst dunkle Standorte zu finden. So fand ich (unter anderem) auch Abisko, den Ort, auf dessen zugefrorenem See die Polarlichtaufnahmen des Fotobriefes vom 31. März 2020 entstanden sind. Ich zeige Euch einige Beispiele für die Lichtverschmutzung. Die Markierung habe ich in den Sternenpark Westhavelland (erste zwei Beispiele), auf den Südstrand von Bornholm und nach Abisko gesetzt:

So, zurück an den Südstrand von Bornholm und zur versprochenen Milchstraße. Der sich in der Ostsee spiegelnde Himmelskörper ist übrigens der Mars. Ich hatte noch nie zuvor einen sich im Wasser spiegelnden Mars fotografiert:

Liebe Luise, lass´ Dich grüßen und trösten … und alle anderen natürlich auch. Ich wünsche ein schönes Wochenende, Catharina

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben