Fotobrief vom 14. April 2020 – Granada

Von Ostersonntag bis morgen sollten wir eigentlich in Granada sein. Deshalb widme ich den heutigen Fotobrief dieser wunderbaren Stadt, in der ich im Februar zum ersten Mal für zehn Tage weilte und in die ich mich spontan verliebt hatte und glaubte, bald zurückkehren zu können. Neben einem einwöchigen Superintensivo-Spanisch-Kurs blieb mir genug Zeit für fantastische Fotoausflüge.

Den folgenden Blick auf das arabische Stadtviertel Albaicin, der sich mir von einem verschwiegenen Mirador unterhalb der Alhambra aus bot, hätte ich heute gern meinen Mitreisenden gezeigt. Nun kommt er hier auf fotografischem Weg in Form eines Panoramas:

Und ein Panorama-Blick auf die Alhambra darf natürlich auch nicht fehlen:

Die meisten Menschen kommen nach Granada, um die Alhambra zu sehen (ich bin natürlich auch mehrmals dort hochgestiegen), aber die Stadt verbirgt auch eine surrealistische Straßenkunstszene. Die Straßenkünstler Granadas sind keine typischen Graffiteros. Im Gegenteil, ihre nachdenklichen und skurrilen Wandmalereien, überlagert von klugen, manchmal witzigen Aphorismen in spanischer Sprache, sind in den Augen vieler Einheimischer eher eine Inspiration als ein Schandfleck.

Granadas allgegenwärtigster Straßenkünstler ist Raúl Ruiz, besser bekannt als El Niño de las Pinturas ( www.elninodelaspinturas.es), dessen sofort erkennbare Wandmalereien Straßen, Wände und Geschäfte in der ganzen Stadt, aber insbesondere im Stadtteil Realejo schmücken. Realejo war Granadas ehemaliges jüdisches Viertel. Heute ist es ein Gewirr aus weiß getünchten Häusern und ruhigen Terrassengärten, die von hohen Mauern umgeben sind. Die Mauern eignen sich gut als Leinwände für Straßenkunst.

Die Gemälde von El Niño de las Pintura zeichnen sich oft durch ihre stark stilisierten Schriftzüge aus, die ergreifende poetische Strophen buchstabieren: „Cansado de no encontrar respuestas, decidí cambiar mis preguntas" - „Müde, keine Antworten zu finden, beschloss ich, meine Fragen zu ändern“ steht unter einer Studie zu Auguste Rodins „Der Denker“ (Calle Molinos). Am Ende der Calle Elvira, Granadas berühmter Tapas-Bar-Straße, befindet sich ein Wandgemälde. Über dem Wandgemälde sind die Worte "El mundo es oscuro, ilumina su parte" – „Die Welt ist dunkel, erhelle deinen Teil“ eingraviert. Ich finde, das passt gerade ganz gut zur weltweit angespannten Situation.

Mich haben vor allem die Portraits beeindruckt, die ich auf einem Spaziergang gesucht und gefunden habe. Ich zeige Euch eine kleine Auswahl, jeweils mit einem Foto als Überblick und ein bis zwei Detailfotos, und bin gespannt, ob sie Euch so gefallen wie mir.

 

 

 

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